Faszination Pfütze

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Pfützen treiben ihren Schabernack mit uns und tauchen auf, wo wir nicht mit ihnen rechnet. Sie machen was sie wollen, nutzen jede Senke, graben sich tiefer und tiefer in das Erdreich. Hat dort ein Regenwurm gewühlt, der von einem Maulwurf verfolgt wurde? Sind sie zufällig angeordnet, oder folgen sie einem bestimmten Gesetz? Warum ist genau dort eine Vertiefung? Ist Ihnen aufgefallen, dass selbst an alten und heiligen Orten Pfützen sind? Auf Steinen zu denen die Menschen pilgern?  Was sind die Taufbecken in unseren Kirchen anderes? Das kann doch kein Zufall sein. Vielleicht bilden die Pfützen ein von uns noch unerkanntes Netzwerk, haben eine bestimmte Aufgabe und jedes Mal, wenn der Mensch begradigt oder zubetoniert, wird dieses System durcheinandergebracht und die Wasserlöcher müssen sich anderorts bilden. Man weiß es nicht. Es gibt so viel zwischen Himmel und Erde, was wir nicht verstehen. Pfützen dehnen sich aus und schrumpfen zusammen. Sie sorgen für nasse Füße und bespritze Hosen. Übermütig springen wir durch sie hindurch oder weichen ihnen zaghaft aus. Kinder lieben Pfützen, Astrid Lindgren liebt Pfützen, ich liebe Pfützen. Stadtplanern und anderen gut strukturierten Leuten sind sie ein Dorn im Auge. Sie sind voller Magie. Sobald ein Lichtstrahl auf die Wasseroberfläche trifft, wird das Licht in seiner Geschwindigkeit ausgebremst und verändert seine Richtung, ein physikalisches Phänomen. Wenn ein Gegenstand Schatten in eine Pfütze wirft, wie mein Harris, bildet der Schatten bei einer gewissen Wassertiefe einen Lichtring. In flachen Pfützen erscheinen hell umrandeten Kreise, obwohl der Gegenstand längst hindurchgezogen wurde. Schatten von länglichen Gegenständen verdoppeln sich bei einem bestimmten Winkel zum einstrahlenden Licht. Bildet das Wasser Wellen oder Vertiefungen treiben Schatten und Lichtspiegelungen ihr Unwesen. Die Wissenschaft hat ihren Spaß an Pfützen. Zollen wir den Pfützen den nötigen Respekt, wenn wir an ihnen vorbeilaufen, an den kleinen und großen, klaren und trüben, diesen kleinen Landschaften und Biotopen, in denen Leben nur so wimmelt. Sie bilden zauberhaften Eiskristalle und unübertroffene Landschaften, sobald es friert. Und eines – trockenen – Tages, sind die Pfützen verschwunden, machen sich erneut auf ihre weite Reise, verdunstet in den Himmel, nur um an anderen Orten, so fern und doch so nah, auf Gräser und Bäume oder auf unsere Kopfhaut zu prasseln und sich wieder auf dem Erdboden anzusammeln.

 

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