Meine Reise startet an einem Dienstag. Ich schultere meinen schweren lila Rucksack. Meine Aufregung ist riesig. So ähnlich müssen sich die großen Forschungsreisende gefühlt haben, als sie in unbekannte Gefilde aufgebrochen sind. Kolumbus, Humboldt und Mangala. Ich bin gespannt, wer mir alles begegnen wird, was ich entdecken werde. Bin ich mutig genug und den Herausforderungen gewachsen? Werde ich jeden Pfad bewältigen und wenn er noch so steinig und steil ist, in Regen und Sonnenschein, in Freud und Leid wandeln können? Und was noch viel wichtiger ist: Werde ich den Weg finden? Ich weiß ja noch nicht einmal, in welche Richtung ich gehen muss. Furchtlos reiße ich die Haustür auf, winke und schreite durch den kalten Herbstwind. Über mir ziehen gewaltige Wolkenmassen, die ersten bunten Blätter wehen über die Straße. Passanten lächeln mir beim Anblick meines großen Rucksackes zu und wünschen mir eine „Gute Reise“. Eine wundervolles Gefühl ist das. Ein Hauch von Freiheit streift mich. Vor einer Ampel mache ich halt. Die Menschen in den Autos telefonieren, fluchen, bohren in der Nase, starren das rote Licht an. Nur ganz wenige unter ihnen atmen tief durch, um bei Grün wieder in der Hektik ihres Alltages einzutauchen. Was bin ich froh, dass ich dem entkommen bin. Die Ampel wird grün, rot, grün und rot. Die Sonne gleitet langsam den Horizont hinab. Erst als die Frau, die mich eben gegrüßt hat, vorbeikommt und fragend ihre linke Augenbraue hochzieht, gebe ich meinen Posten auf. Abends lasse ich mich erschöpft in die Arme meines Geliebten sinken.