Gebeugt von der Last des Rucksackes und mit gesenktem Kopf schleiche ich am nächsten Tag durch die Innenstadt. Ich schäme mich so, wollte mich ganz bestimmt nicht am Leid des Mannes erquicken. Dabei habe ich mich doch schon immer mit einem Bein in die Gemeinschaft der Obdachlosen aufgenommen gesehen und das nicht nur, weil mein bester Freund obdachlos gewesen ist. Er hat an einem Fluss gelebt und manchmal ist ihm eine Ente namens Maren auf das Zeltdach gestiegen. Es war eine wilde, abgründige und gefährliche Zeit. Nun, ich fühle mich mit den heimatlosen Menschen verbunden, weil ich weiß, was es heißt ausgestoßen zu sein. Wie oft war ich einsam, wie oft habe ich mir vertraute Menschen verloren, wie oft wurde ich für meine Seinsweise, für meine Fehler verstoßen, verspottet und gar angespuckt. Und dabei kenne ich das Geheimnis der Welt noch nicht einmal, wie soll es werden, wenn ich es herausposaune? Werde ich dann von Geheimdiensten verfolgt und auf dem Scheiterhaufen landen? Selbst jetzt, als gestandene Frau, schüttelt eine Dame mit Handtasche vehement den Kopf über mich. Und weshalb? Weil ich beim Gehen die ganze Zeit auf den Boden schaue. Trample und atme ich zu laut, habe ich grüne Haare, trage ich eine den Leuten unbequeme Meinung wie ein Schild vor mir her? Warum? Warum tut man einem Wesen so etwas an. Und es gibt so viele von ihnen, von den Aussätzigen. Dort drüben schiebt ein Obdachloser einen Kinderwagen mit einem Teddy vor sich her. Wie gut ich ihn verstehe. In dieser grauen und harten Welt ist der Teddy seine Heimat. Mit ihm kann er plaudern, ihm kann er alles zeigen, Freud und Leid teilen. Ich beneide den Mann um seinen Gefährten und sinke auf den kalten Asphalt. Wo ist ein Mensch zu Hause? Ich weiß, ich weiß, es gibt einen warmen Platz für mich. Aber so viele gibt es, die haben das nicht, die haben nur einen Teddy, manchmal nur eine Socke als Weggefährten, auch Kinder, herrje die Kinder. Ich sinke zusammen. Ich weiß, das gehört sich nicht. Aber das ist mir egal. Soll die Polizei mich doch einsammeln, mich Gesindel. Minuten später höre ich ein Auto neben mir halten- ein roter Transporter. Der Olli. Mist. Ich habe vergessen, Google Maps Trackings auszuschalten.