Verwirrter denn je nähere ich mich am letzten Ruhrreisetag wieder einer Menschensiedlung. Mir ist, als wäre ich schon Jahre unterwegs und nicht erst sieben Tage. Meine Neugier wird mich im wahrsten Sinne des Wortes noch einmal in Teufels Küche bringen. Brav ordne ich mich anderen Passanten an einer großen Ampelkreuzung ein. Mitten auf der Kreuzung schimmert etwas grün glänzend. Das ist ein Käfer. Oh mein Gott, da krabbelt ein wunderschöner grüner großer Käfer über die Kreuzung und keiner schenkt ihm Beachtung. Ich habe so etwas oft gelesen, davon, dass es niemand nötig hat, selbst seine Hilfe anzubieten, wenn anderer Personen an einem Unfallort anwesend sind. Jetzt erlebe ich es selbst. Ich muss handeln. Wenn die PKWs gleich grün haben, ist es vorbei mit dem kleinen Krabbelding. Ohne zu zögern schwinge ich meinen Zauberstab und renne los, höre Autoreifen quietschen, die ersten Beschimpfungen treffen mich. Aber das ist mir egal. Der Käfer hat von allem nichts bemerkt und kraxelt seelenruhig auf meine Hand. Was für ein schöner Kerl, die Flügel glänzen metallisch. Ich spüre seine kleinen rauen Füße auf meiner Haut und bleibe einfach auf dem Fleck, bis der Verkehr um mich herum steht und die Fußgänger passieren. Am Straßenrand stehen ein paar Büsche, dort findet mein kleiner Freund seinen Platz. Stolz schwinge ich meinen Stab. Das eben gerade war ein Rosenkäfer, einer Insekt aus der Gattung der Mistkäfer, und die waren im alten Ägypten heilig, unglaublich- und ich habe ihn gerettet. Mein Herz flackert. Ich spüre, dass alles möglich ist, ich die Welt erobern kann. Und das Universum zwinkert mir zu und ich begreife: Jeder Grashalm, jeder Baum, jeder Stein erzählt auf seine Weise. Feder und Banner und Schokoriegel säumen meinen Weg. Was das Universum da ausplaudert ist so anders als das, was ich in der Schule gelernt habe, die Wissenschaft weiß, es ist absolut fantastisch, kaum in Worte zu fassen, so voller Verspieltheit und Verrücktheit. Was werden wir wohl noch alles bequasseln? Ich, die auf der Burg des großen Muli zur Kämpferin ausgebildet wurde, wenn auch nur eine Stunde lang, ich, die den Zauberstab des Hofnarren bei sich trägt, die einem Käfer das Leben gerettet hat, werde das große Geheimnis lüften. Und meine Reise hat erst angefangen. Wie gut ich den Detektiv jetzt verstehe. Ich werde ihm das nächste Abenteuer abkaufen. Frage mich nur, ob die dunklen Ränder unter seinen Augen daher kommen, das er genauso besessen ist wie ich? Genauso süchtig? Ja, ich bereit dafür, den Kampf anzutreten, zu retten, was zu retten ist. Mich dem zu stellen, was sich auf der Welt und in meinem Kopf abspielt, und mag man mich wahnsinnig nennen.