Hurra, hurra, hurra, wir gehen auf Pfützenjagd. Ich presche mit Harris unter dem Arm, hochgekrempelter Hose und barfuß, die Ruhrwiesen entlang und springe von einer Pfütze zur anderen, dass uns das Wasser nur so um die Ohren spritzt. Die ganze letzte Nacht hat es geregnet, dort drüben hat sich eine kleine Wasserlache im Gras versteckt, die drei großen kurz vor dem Asphaltweg sind Dauergäste in dieser Landschaft. Weiter und weiter geht es, ich zähle laut mit, dreizehn, vierzehn, zwanzig. Zählen die Großen oder die besonders Tiefen doppelt? Harris protestiert. Ob klein oder groß, Pfütze ist Pfütze. In der Stadt selbst und im Innenhafen ist es vorbei mit dem Spaß. „Sei nicht traurig, Harris, ich kenne einen Schotterweg, der ist bei solchem Wetter eine einzige Pfütze“, flüstere ich meinem Zauberstab zu. Das Kerlchen ist mir richtig ans Herz gewachsen. Da haben sich zwei gesucht und gefunden. Ohne Harris hätte ich nie bemerkt, was für Wunderwesen Pfützen sind. Mein Harris, dieser kleiner Zauberer, er hat an der Stelle, an der er durch die Wasseroberfläche gebrochen ist, gefunkelt und gestrahlt wie ein kleiner Regenbogen. So etwas habe ich noch nie gesehen. Wie wunderschön das ausgesehen hat. Harris Leuchtring und um ihn herum eine kleine Seelandschaft mit Kratern, Steinen, Ausbuchtungen. Welche kleinen Wesen dort wohl wohnen mögen, von Ufer zu Ufer schwimmen, oder in der Tiefe abgleiten? Fasziniert bin ich mit meinem Stab zur nächsten Pfütze gelaufen, einer richtigen Matschpfütze, bestimmt zig Zentimeter tief und finster, so finster. Als wolle er über das Schlammbad protestieren, hat Harris sich hier verhalten wie ein ganz gewöhnlicher Stab, aber wenn ich ein wenig schräg gucke, sieht es aus, als wäre er geknickt. Das kennen Sie bestimmt aus der Badewanne oder aus dem Aquarium. Mit dem schmutzigen Harris geht es weiter. Und sieh an: In einer großen, klaren und flachen Pfütze werden aus einem Harris zwei Harris. Ich sehe ihn zweimal im Wasser. Ein Wasserkäfer kommt neugierig angeschwommen. Um ein rot-gelbes Laubblatt bildet sich ein Leuchtring. Wow. Wir laufen und laufen. Freuen uns über jedes Tröpfchen, springen, um gleich darauf wieder staunend vor einem Tümpel zu liegen. Schlammbespritzt und nass geht es durch die Stadt. Dort ist der Schotterweg. Zwischen Hafenanlage und Rotlichtviertel. Hier scherrt sich keiner um Pfützen. Ein letzten Versuch mit Harris. Wird er sich brechen? Regenbogen zaubern? Verdreifachen? Ich lasse ihn über der Pfütze tanzen. Kein Schatten, keine Spiegelung. „Das kann nicht sein“, rufe ich. Das ist nicht möglich. Die einzigen mir bekannten Wesen, die kein Spiegelbild haben, sind Vampire. Als hätte ich mich verbrannt, lasse ich Harris fallen, nur um ihn unter den Blicken von ein paar grinsenden Männer erneut aufzuladen. Was habe ich da nur für eine Last? Was ist Harris?