Von weitem sehe ich das Blaulicht. Der gesamte Duisburger Verkehr scheint zum Erliegen gekommen zu sein. Menschen stehen nervös an ihren PKWs und rauchen, andere sprechen wild in ihre Handys, klopfen auf dem Lenker oder hupen. Drei Streifenwagen stehen um die kleine Verkehrsinsel mit dem zotteligen Grasbüscheln auf der vielbefahrenden B 43. Die Polizisten kratzen sich nachdenklich die Köpfe. Und wer krabbelt da mit einer Lupe vor der Nase auf der Straße herum, unbeirrt von dem Getümmel um sich herum? Der Detektiv natürlich. Auf dem Gehweg steht ein Krankenwagen und daneben ein Notarztwagen. Auf der Pritsche des Krankenwagens sitzt eine alte Dame und strahlt über das ganze Gesicht. „Junger Mann- ich habe es Ihnen doch schon gesagt. Meine Tochter wohnt hier. Gleich dort drüben. Wie ich dorthin gekommen bin? Muss wohl gelaufen sein. Was denken sie denn?,“ belehrt sie einen Sanitäter und einen Polizisten. Die Oma auf der Verkehrsinsel, ich habe sie gefunden und den Detektiv noch dazu. Jetzt kann nichts mehr schief gehen. Mutig trotze ich den fragenden Blicken der Polizisten und gehe auf den Detektiv zu. „Hallo, was suchst du da?“ „Oh, du bist es. Mit Zauberstab.“ Wieder dieser Blick auf Harris. „Hier ist Unglaubliches passiert. Die alte Dame dort bei den Sanitätern ist irgendwie auf die Verkehrsinsel gekommen. Absolut unerklärlich. Hier fließt der Verkehr wie am Schnürchen. Tag und Nacht. Wie soll ihr das gelungen sein?“
„Vielleicht wurde sie ausgesetzt?“ „Ausgesetzt?“ Alois denkt angestrengt nach. „Nein, das halte ich für ausgeschlossen. Auch das hätte bemerkt werden müssen.“ „Vielleicht hat es keinen interessiert?“ „Nein, nein. Ich bin überzeugt davon, dass wir es hier wieder mit einem Fall von Unerklärlichem zu tun haben. Da steckt ein Geheimnis hinter, was für uns Menschen, für unsere begrenzet Gehirne, absolut unfassbar ist.“ „Boah, meinst du?“ „Ja, überleg doch mal. Ich habe dir doch von meiner Rückwärtsfahrt erzählt. Die Erde muss sich damals schneller gedreht haben und keiner hat es bemerkt. Hier muss etwas Ähnliches geschehen sein. Eine kurze Verschiebung von dem, was wir als Raum und Zeit bezeichnen. Und diese alte Dame dort ist durch dieses Phänomen einfach hindurchspaziert. Glaub mir, es geschieht mehr auf unserer Erdkugel, als wir begreifen können.“ „Hm“, damit bin ich recht unzufrieden. Das wird dem großen Muli nicht genügen. „Kannst du mir das genauer erklären? Ich brauche eine absolut stichhaltige These.“ „Wozu?“ Alois ist misstrauisch geworden. „Naja“, druckse ich herum. „Es ist halt wichtig. Um genau zu sein, mein Leben hängt davon ab“, übertreibe ich. „Pass auf: Ich habe dir schon einmal angeboten, dass wir zusammenarbeiten können. Aber dafür möchte ich auch etwas von dir.“ „Ich habe dich vor der Ente gerettet!“, werfe ich ein. „Ja, das hast du, aber es ist nicht genug.“ „Meinen Zauberstab bekommst du nicht.“ „Wir machen das so: Geheimnis gegen Geheimnis.“ Was meint er damit, welche Geheimnisse habe ich? Egal. Ich nicke. Erstmal zustimmen. „Okay, dann pass auf. Ich bin mir sicher, dass wir es hier mit einem Wurmloch zu tun haben und sie ist mitten hindurchmarschiert. Vertraue mir. Besser als eine Erklärung mit Außerirdischen ist es allemal.“