Der zweite Reisetag

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An einem Mittwoch bin ich wieder auf Wanderschaft. Die warmen Sonnenstrahlen haben Menschenmassen auf die Straße gelockt. In der Fußgängerzone ist kaum Durchkommen. Es fällt mir schwer, mich mit meinem Rucksack hindurchzuschlängeln und ich lasse mich auf einer Bank nieder. Wer von diesen Leuten hat das Paradies erreicht, ist hinter das Geheimnis des Lebens gekommen? Der Afrikaner dort mit dem bunten Hut und dem Getto – Blaster auf den Schultern, oder die Frau, die mit sich selbst zu reden scheint, weil sie eine Freisprechanlage am Kopf hat? Vielleicht die Jugendlichen, die sich bei jedem zweiten Schritt anrempeln,? Da – dieser Typ dort, ein ältere Herr im Strickpulli, der sieht so aus, als wenn er es wüsste. Mit einem zufriedenen und gewichtigen Gesicht schaut er dem Treiben auf der Baustelle zu. Beobachtet den Radlader und den Kran, die schaufelnden Muskelpakete von Bauarbeitern als könne er selbst es mit einer viel größeren Leichtigkeit. Den Mann, den muss ich fragen. Mein Handy läutet. „Kannst du bitte noch Brot und Eier holen?,“ mein Freund, der Olli. Natürlich kann ich das. Der Supermarkt ist nur ein paar Straßen weiter. Ein wenig traurig schiebe ich meinen Einkaufwagen über den Parkplatz. So komme ich nicht weiter. Fast hätte ich eine Taube überfahren. Sie lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, gurr, gurr , gurr. Ihr Hals geht beim Laufen vor und zurück. Wir behindern den Verkehr, die Taube und ich, aber sie wackelt gechilt über den Parkplatz. Eine zweite kommt angeflogen. Die Hälse vor und zurück, immer im Takt, wie am Schnürchen. Gehupe von der Seite. Ich würde ja gerne weitergehen, aber… eine dritte – was für ein wunderschönes Tier –  mit braunen Flügeln, ansonst weiß, landet auf meinem Einkaufswagen. „Leute, was macht ihr, gleich werden sie mit Kanonen auf uns schießen,“ rufe ich. Gurr, gurr, gurr. Ein Herr in Uniform, bestimmt der Parkplatzwächter, klatscht zweimal in die Hände. Vorbei ist der Spuk. Ich gehen einkaufen, nachdenklich. Auf dem Weg heim, denke ich an die Tauben. Und sie sind wirklich überall. Auf der Straßen, auf den Laternen, in den Tunneln. Über den Straßenbahnschienen. Sie beobachten uns, sind so ruhig. Die Hälse vor und zurück. Die Tauben – sie kennen das Geheimnis des Lebens, davon bin ich überzeugt. Ich werde sie im Auge behalten.

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