Ein Wurmloch in Duisburg, das wird immer schöner. Aber das muss als Antwort genügen. Mit der Bitte auf ein baldiges Wiedersehen, verabschiede ich mich und eile hinfort, meinen Joker suchen. Hab noch mindestens neunzehn Stunden Zeit, abzüglich den Stunden, die ich in meinem Bett verbringen werde. Es ist besser, wenn Olli nicht erfährt, in was für eine Bredouille ich mich gebracht habe. Seine Blicke zu dem grünen Helm, wenn ich auch nur ansatzweise von meinen Abenteuern berichte, genügen mir vollkommen. Besser ganz unauffällig verhalten! Neunzehn abzüglich acht Stunden Schlafen und zwei Stunden Kuscheln macht neun Stunden. Das ist nicht genug Zeit, um Duisburg von oben bis unten durchzukramen, aber wenn ich eine Strategie entwickle, habe ich durchaus gute Chancen. Der botanische Garten ist sehr gepflegt. Es gibt dort den berühmten Goethe- Baum, Ginko biloba, ein wahres Urzeit- Relikt. Bäume, Kräuter, Rasen, Heide, Blumen. Nichts, rein gar nichts, was man als Wunschblume bezeichnen könnte. Oder soll es ein Gänseblümchen sein? Möglich! Habe ich nicht als Kind Gänseblümchen von ihren weißen Blütenblättern befreit, Stück für Stück? Er liebt mich, er liebt mich nicht. Ich werde eines Tages reich und berühmt sein, ich werde nicht. Vorsichtshalber stopfe ich mir eines in die Tasche und jage weiter. In einer Stunde muss ich spätestens daheim sein. Hektisch lasse ich meinen Blick über die Rabatten schweifen, laufe an den Kleingärten entlang. Nichts. Ich stehe bereits an der letzten Ampel, da sehe ich sie: Eine enorm große Pusteblume. Sie hat den Samenstand eines Löwenzahns, ist aber viel größer. Kaum ist die Ampel grün stürme ich los und sammele den Schatz ein, trage ihn wohlbehütet über die Straße, schütze ihn vor jedem Windstoß, kein Saatkorn darf verlorengehen. Es wird eine sehr unruhige Nacht für mich. Ich träume von riesigen Toren, Ziegen, fleischfressenden Blumen, Flachmännern. Ungeduldig warte ich bis Olli unser Heim verlässt und mache mich ans Zählen. Ein Samen mit Fallschirm, zwei, drei, achtundachtzig. Achtundachtzig. Ich zähle und zähle, gar nicht so einfach, ohne mein Juwel zu verletzen und juble innerlich, komme wieder und wieder auf die gleiche Zahl. Das muss sie sein, die Wunschblume, die Wunschpusteblume mit der magischen Achtundachtzig. Was für ein Glückspilz ich bin! Harris schobert in seiner Ecke. Zwanzig vor elf. Wir müssen los. Fast hätte ich vor lauter Zählen die Zeit vergessen. Großes Muli, ich komme und ich bin bereit für die Herausforderung. Du wirst mir Rede und Antwort stehen.