Routenplanung

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Es ist Ihnen bestimmt aufgefallen. Ich renne absolut orientierungslos und planlos durch die Gegend, das ist einer so großen Aufgabe gewiss nicht angemessen. Ich gehe ins Reisebüro. Die Dame hinter dem Tresen begrüßt mich mit einem breiten Lächeln, das ihr nur für Sekundenbruchteile aus dem Gesicht rutscht, als sie mein Anliegen hört- sehr professionell: Ich möchte an Orte, die mir etwas über das Geheimnis der Welt verraten. Sie klickt auf ihrer Computertastatur herum. „Da wollen wir doch mal sehen, wir haben da einen Meditationskurs auf den Malediven, Kulturreise in New York…“  Als sie mir dann noch erzählt, dass ich in Lappland den Weihnachtsmann treffen kann, bin ich regelrecht begeistert. Nur: Wie soll ich es schaffen, all diese Orte in kürzester Zeit zu bereisen? Und ich will nicht fliegen. Was wird dann mit Harris? Stundenlang zwischen Gepäck zu stehen, das hat er nun wirklich nicht verdient. Ich verspreche der Dame, bald wieder reinzuschauen und trotte von dannen. Christoph Drösser hat in seinem Buch „Mathe, Logik & Physik- Alltägliche Verführung zum Wissen“ im Kapitel Routenplanung dargelegt, wie schwer es die deutschen Politiker haben, wenn sie ihre Antrittsbesuche in den EU-Ländern machen müssen.  Die Routen werden von Profis berechnet. So einen bräuchte ich für die Auslandsreise. Wenn ich mich aber langsam herantaste, kann ich es vielleicht lernen. Ich muss klein anfangen – in Duisburg. Geschwind befolge ich Drössers Rat und suche mir zunächst den Ort aus meiner Besuchswunschliste aus, der am weitesten von meinem warmen zu Hause weg liegt. Das ist der Entenfang mit 9 Kilometern. Dort steht der Umarmbaum von mir und Olli, eine doppelte Buche in deren Schatten zwei Parasol- Pilze wachsen. Wenn ich jetzt von diesem Ort und meinen Startpunkt den Ort auf meiner Liste suche, der von beiden am weitesten entfernt liegt, lande ich mit 6 Kilometern bei der heiligen Quelle. 3,5 Kilometer zu meinem Lieblingsplatz, 2,4 km zum Hauptbahnhof, 1,1km Liebfrauenkirche, 400m zum Livesaver, 600m in die Steinsche Gasse und schlussendlich 750m Heim. Was für ein Gerenne und das mit Zauberstab unter dem Arm! Das sind an die 24 Kilometer. Komme ich damit meinem Ziel näher? Ich fürchte nicht. Wie soll ich vor lauter Hetze Käfer retten, Blumen den ihnen gebührenden Tribut zollen, meinen Mitmenschen zusehen, wie sie ihr Leben meistern? Ich bin verzweifelt.

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