Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 160 km die Stunde jagen sie durch die Lüfte, zielsicher finden sie den Ort ihrer Bestimmung, ihr Gehirn ist so fein vernetzt, dass sie sich die winzigsten Details merken, bis zu hundert menschliche Gesichter. Sie übermitteln Botschaften und retten Menschenleben, ihre Babys füttern sie liebevoll mit einem nährstoffreichen Brei – die Rede ist nicht von Super(wo)man, sondern von Tauben. Tölpelhaft tapsen sie vor unseren Füssen umher nur um sich in nächsten Augenblick kunstvoll in die Lüfte zu erheben und in ganzen Schwadronen über unseren Köpfen ihre Runden zu drehen. Überall sitzen sie, auf den Straßenlaternen, Häusern, Strommästen, in Tunnels, auf Bäumen und Statuen. Sie pupsen uns auf die Köpfe und hinterlassen uns zarte weiße, oder blau schimmernde Federn. Was suchen sie auf diesen Plätzen? Gibt es nicht ruhigere Orte und bessere Nistplätze als Eisenbahntunneln, Ampelschaltungen und Strommasten? Vielleicht verfolgen sie einen geheimen Plan und wir dummen Menschen ahnen nichts davon. Überwachen sie uns? Könnte das sein? Tauben verfügen über ein viel weiteres Sichtfeld als wir Menschen. Der Detektiv sollte seinen Fokus weniger auf die eine Ente richten, sondern auf die Tauben. Aber ich habe keine Angst vor ihnen. Solange sie uns ihre Federn schenken, werden sie es wohl gut mit uns meinen. Sie müssten keine Briefe für uns überbringen, aber sie machen es trotzdem. Allein, weil sie an ihren Heimatort zurückwollen? Oder aus Spaß am Spiel, der Lust, das Ziel schnellst möglichst zu erreichen? Und dann werden die Erfolge und Siege, die Heldensagen von Nest zu Nest weitergetragen den Taubenbabys zum Vorbild. 1908 rettet eine Brieftaube namens „Cher ami“ hunderten Soldaten das Leben. Der Amerikaner Major Charles Whittlesey und seine Männer waren bei Verdun zwischen feindlichen Linien eingeschlossen und standen unter Beschuss der eigenen Armee. „Cher ami“ wurde entsandt und fliegt 25 km ins amerikanische Lager, wird dabei schwer verletzt. Die Taube bekommt dafür den Orden „Croix de Guerre“. Noah schickt eine Taube nach der Sintflut auf Landsuche. Pablo Picasso wählte eine weiße Taube als Symbol für den ersten Weltfriedenskongress 1949. Venus und Aphrodite, die Liebesgöttinnen umgeben sich mit Tauben. Seit die Menschen sich zum Ackerbau niederließen, suchen Tauben ihre Nähe. Bei den Sumerern, in Ägypten und bei den Römern gehörten sie dazu. Die Araber waren die ersten, die sie als Postboten nutzen. Die Tauben- sie sind überall, seit jeher sind sie Zeugen der Entwicklung des Menschen. Könnte ich nur ihre Sprache, wie schlau wäre ich dann.