Wer ist Harris?
Das weiß ich selbst nicht. Ich dachte, ich hätte ihn im Neandertal von einem umgefallen Baumstamm gepflückt, einen dicken Efeustab, der mich magisch anzogen hat. Oder ist er der Zauberstab des Narren vom großen Muli? Ein Besen, der mir in den Zaubertrank gefallen ist, als ich in den Hallen des Muli gefegt habe? Alles ist möglich, nichts unmöglich. Und das Drolligste ist: Ich habe ihn – meinen Harris – auf einem riesigen Gemälde an einem Haus beim Duisburger Bahnhof entdeckt. Lieber Künstler, wer auch immer du bist, aus welcher Intention heraus du den Dreizack gemalt hast, sei gewiss, es gibt ihn wirklich und er treibt sein Unwesen in meinen Händen. Ich muss nur noch herausfinden, welche Kräfte er hat …
Ode an Harris
Vor langer Zeit entsprosst du aus einem winzigen Samenkorn. Vielleicht habe die Vögel dich an die Stelle getragen, die deine Heimat werden sollte. Wasser und Sonnenlicht, üppige schwarze Erde haben dich keimen lassen, ganz zarte Wurzeln erst und ein winziger grüner Spross reckten sich kühn dem Leben entgegen. Der Baum hat dir Halt gegeben, du hast dich an ihn geklammert, ihn umschlungen und seine Rinde mit deinen Wurzeln durchdrungen. Zentimeter für Zentimeter bist du in die Höhe gewachsen, immer weiter dem Licht und den Sternen, dem Mond und den Planeten entgegen. Vielleicht wusstest du damals bereits um deine Bestimmung. So stolz und lebendig hast du dich gereckt und der Baum hat dich gelassen, du warst ein Teil von ihm, er war ein Teil von dir. Jahrelang ging das so. Dein Stamm wurde dicker, deine Zweige und Blätter zahlreicher und dann kam der Sturm. Brausend und tosend. Dein Baum hat gekämpft und seine Wurzeln in die Erde geklammert, aber es hat nichts genützt. Das Schicksal wollte es so. Er fiel. Und mit seinem Fall wurde auch deine Wurzeln aus der Erde gerissen. Lange lagt ihr so, dein treuer Freund musste zuerst gehen, hat dir noch seine letzte Lebenskraft gegeben und dann musstes du folgen. Dein Lebenssaft floss aus dir raus. Ich habe dich gefunden. Du hast mich gerufen. Ich habe dich geholt um dich wieder schwingen und tanzen zu lassen, mit dem Leben im Einklang, um Liebe und Freude zu schenken, Freiheit, die über den Tod und über das Leid hinausgeht. Sei mir willkommen – mein Gefährte. Mein Freund. Wir wollen die Welt gemeinsam durchschreiten und sie verwandeln, mittels unserer Kraft.