Verdeckte Ermittlung

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Ich bin immer noch baff. Baff darüber, was alles möglich ist, wenn sich Elefanten auf dem Bahnhof tummeln. Das wirft ein ganz neues Weltverständnis auf, eine ungeahnte Freiheit, das ist die Aufhebung aller unserer alten Denkgewohnheit. Und ich spüre sie ganz tief in mir – die Begeisterung. Wenn DAS möglich ist, ist es auch möglich, dass es das große Muli gibt und ich nicht verrückt bin. Die Bibliotheken sind voll von Büchern, in denen darüber nachgedacht wird, was es noch alles geben könnte, was wir noch alles wahrnehmen könnten, wenn wir nicht nur auf unser Menschsein, unser menschliches Denken, unsere Sinne und unsere Wahrnehmung beschränkt wären. Ob Elefant auf dem Bahnhof oder nicht – all diese Beschränkungen wegzuzaubern, das löst eine großartiges „Hurra“ in mir aus. Ich beneide den Detektiv um seine Aufgabe. Für andere ist eine Papiertüte Abfall. Ich bin begeistert von der Besessenheit und Hingabe, mit der der Detektiv ermittelt. Das ist wirklich toll – pure Leidenschaft. Mit der gleichen Leidenschaft, mit der andere auf der Baustelle Bagger angucken, verschreibt er sich seinem Beruf. Er ist ein großer Meister, wenn es darum geht, hinter das Geheimnis des Lebens zu kommen. Da drüben sitzt er gechillt in einem Café. Er winkt mir zu und ich setzt mich auf den Stuhl ihm gegenüber, Harris an meiner linken Seite. „Da bist du ja. Heute darfst du ganz tief in meine Arbeit eintauchen. Ich werde dich in die hohe Kunst einweisen, sich in der Rolle eines anderen Menschen zu begeben, um an Informationen zu kommen.“ „Ich soll spionieren?“ „Naja, wenn man es so nennen will. Wir fangen ganz leicht an. Siehst du das Geschäft dort drüben? Ich möchte, dass du so tust, als wärst du eine Kundin und an einer Immobilie interessiert. Eine reiche Kundin selbstverständlich.“ „Aber dafür bin ich doch gar nicht angezogen.“ „Das macht nichts, umso überzeugender musst du sein. Du kannst gleich loslegen.“ „Hast du keine weiteren Tipps für mich?“ „Übung macht den Meister. Soll ich solange auf deinen Zauberstab aufpassen?“ „Nö.“ Schnurstracks marschiere ich ins Immobilienbüro. Zu meinem Glück, wird dort gerade ein Kunde beraten, ein geschniegelter Typ in Anzug und mit oben weit geöffneten Oberhemd. Während ich die Aushänge an der Wand betrachte, lausche ich den Wort, versuche jedes einzelne aufzusaugen, jede Mimik und Gestik, die ich aus den Augenwinkeln erhaschen kann. Ich fürchte, es fällt mir leichter, mich in einer herumflatternden Supermarktprospekt hineinzuversetzen, sein Wirbeln über den Asphalt, Windstöße, achtlose Tritte … Beim Immobilienmakler geht es mir nicht besser. Aber dann passiert etwas mit mir. Es ist, als könnte ich unter die Haut des Mannes schlüpfen. Harris vibriert. Macht er das mit mir? Am liebsten würde ich ihn wegschmeißen, an die Wand knallen, aber ich habe eine Aufgabe. Mutig halte ich durch und spüre den machtvollen Willen des Maklers, seinem Gegenüber etwas zu verkaufen. Koste es, was wolle! Er würde dem Kunden wahrscheinlich sogar auf die Toilette begleiten und ihm das Klopapier reißen. Ich gehe nicht mit, als der Kunde tatsächlich wünscht, auf die Toilette zu gehen, aber es fällt mir schwer. Der Makler tippt auf der Tastatur seines Computers. Dann geht der Kunde, ohne etwas zu kaufen, hat auf Klo diese Entscheidung getroffen. Alle Verkaufsenergie wendet sich mir zu. Ich versuche, das umzusetzen, was ich gerade vom Kunden gelernt habe. Aalglatt sein, frech sein, so, als könnte man die ganze Welt mit einem Schnipp kaufen. Man sollte es nicht glauben: Mir gelingt das absolut mühelos. Ohne viel nachzudenken, rattere ich Alois Fragenliste herunter und mein Opfer antwortet, ohne arglistig zu werden. Er macht mir bereits nach zehn Minuten ein illegales Angebot. Stolz verlasse ich den Laden und will Alois suchen, da trifft es mich wie ein Schlag: Wer bin ich eigentlich? Bin ich der Makler, bin ich der Kunde? Bin ich Mutter? Lebensgefährtin, Berufstätige, Reisende, Tochter? Bin ich das Kind dort drüben, oder der alte Mann? Ich habe mich selbst verloren, fühle mich nackt, gehäutet, hilflos den Energien um mich herum ausgesetzt. Benommen lasse ich mich auf einen Stein sinken. „Hey“, schimpft der Detektiv, „was machst du? Wir sind mitten im Einsatz? Marsch, marsch. Einen Bericht kannst du mir später schreiben. Da, die Leute … Du musst sie verfolgen.“  

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