Leider verboten

Wenn ich da geahnt hätte, wie schnell wir uns wieder trennen müssen…..

Was wäre meine Reise langweilig, wenn ich keinen riesen Wanderstock bei mir hätte. Ich wäre nur täglich auf Wasser, Kaffee- und Zeltplatzsuche, könnte aber alle Verkehrsmittel ganz spontan nutzen, gerade wie es mir in den Kopf kommt. Aber Harris ist bei mir und wir sind unzertrennlich. Nie würde ich ohne ihn laufen. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, von Ort zu Ort zu laufen und unsere Energien zu verbreiten. Die Busfahrt von Santiago do Cacem nach Lissabon war unproblematisch. Mit der Bahn nach Entrocamento und von dort nach Badajoz. Und da fingen die Probleme an, mitten in Spanien. Was ich in Spanien wollte? In Portugal fängt jetzt der Sommer an. Temperaturen über dreißig Grad sind eine zu hohe Belastung, um mit meinem Gepäck täglich seine Kilometer zu laufen. Also wäre Frankreich eine Alternative gewesen. Wege gibt es überall. Aber es läuft in Spanien auf den Bahnhöfen anders ab als bei uns. Es warten alle hinter einer Absperrung, bis das Sicherheitspersonal zu den Gleisen und Zügen durchlässt und die Fahrkarten kontrolliert hat. Gleich beim Eintreffen in Badajoz sagte mir eine streng dreinblickende Frau, dass ich mit dem Stock wohl nicht in den nächsten Zug könnte. Es folgten bange Stunden. Sollte ich hier festhängen, im Nirgendwo? Und in der glimmenden Sonne Spaniens? Gott sei Dank haben mich die Kontrolleure dann durchgewunken, aber nur unter Diskussion miteinander. Auf dem Bahnsteig fragte mich dann eine freundliche Schaffnerin, ob es mir gut ginge und ob Harris so etwas wie mein Heiligtum sei. Ja! Sie hat mich extra zu einem Platz im Zug begleitet, wo Harris und ich niemanden schädigen können. Als ob wir das tun würden. Nun waren wir in Madrid. Ich hatte vor, dort einen Tage zu bleiben und dann nach Lyon zu reisen. Alles war vorbereitet, Sachen gepackt und gebucht. In Madrid war ich in Kunstmuseen und im botanischen Garten. Vorsichtshalber hatte ich am Bahnhof schon nachgefragt, ob ich mit Stock reisen dürfte und dort ein unklares Jein bekommen. Das sei zwar verboten, aber es könnte sein, dass ich durchgewunken werde, wenn die Züge nicht voll sind. Vorsichtshalber wollte ich es bei einem anderen Anbieter früher versuchen und stiefelte voll bepackt zum Bahnhof. Mein Rucksack wurde durchleuchtet, das Taschenmesser hatte ich im Bauchgürtel und wäre wahrscheinlich durchgegangen, da tauchte plötzlich ein muskulöser Mann in Uniform hinter mir auf und deutete auf Harris. „Der kommt nicht mit.“ Ich erklärte, dass das nur ein Stock sei und der machte Gesten, dass man mit diesem Stock durchaus Leute verprügeln könnte. Toll. Das geht auch mit einem Koffer oder einer Wasserflasche! Wie es auch sei, wir mussten umdrehen und ich sollte es ja nicht wieder versuchen! Also zum Busbahnhof. Und da passierte genau das gleiche. Die Frau am Schalter sagte mir, dass es mit Harris nicht ginge. Sollte ich also in Madrid festhängen? Als letzte Möglichkeit fiel mir ein, Harris als Paket zu versenden und das natürlich nicht nach Frankreich, sondern nach Deutschland zu Olli. Wir also in den nächsten Baumarkt. Nachdem die verstanden hatten, was ich wollte, half mir ein sehr netter Mitarbeiter, der sich freute, sein Englisch anwenden zu können, dabei Harris einzutüten. Der nächste Paketshop war unser. “ Das Paket entspricht nicht den Standartgrößen, das geht nicht“, hieß es da. Ihr könnt euch meine Verzweiflung vorstellen. Zurück ins Hotel. Die Frau an der Rezeption hat lange für mich herumtelefoniert und ich durfte meinen Rucksack dort lassen. Aber in dem von ihr herausgesuchten Paketdienst war genau das gleiche Problem. Übergröße! Wenigstens lenkte sie mich zur richtigen Stelle. Im Tamarillo Versanddienst nahm man sich meiner an und per DHLfreight ist Harris jetzt endlich auf dem Weg nach Deutschland. Bangen tue ich immer noch. Es hätte sein können, dass er nicht durch den Zoll kommt. Ungeziefer im Holz und ähnliches. Aber die Hürde ist geschafft, im Moment ist er irgendwo im Laster auf einer Autobahn und soll Dienstag ankommen. Was für ein Drama! Wenn er hier ist, haben wir viel zu arbeiten. Ich schmiede wilde Pläne, stecke voller Ideen und möchte Harris auch in Deutschland schwingen. Meine Reise geht weiter, das Abenteuer fängt gerade erst an. Kaum bin ich bei Olli, verlaufe ich mich fast in seiner Garage: Ich wollte nachts auf die Toilette, bin aufgestanden und war plötzlich in einem ganz anderen Raum – weiter und heller, wie ein Palast. Nur durch Konzentration gelang es mir, wieder in Ollis Räumen zu stehen. Da sieht man wieder, unsere Möglichkeiten zu reisen, sind grenzenlos.

Mit diesem Kätzchen habe ich lange gequatscht. Wie gerne hätte ich das kranke Ding einfach mitgenommen.

Dieses Kunstwerk ist irgendwann einfach verschwunden und dann wieder aufgetaucht. Hexerei? Kreative Spinnerei oder Wirklichkeit? Solche Fragen begleiten mich auf meiner gesamten Reise!

Lest selbst!

Eh ich es vergesse: Diesen Tip habe ich von einem Nepalesen in Lissabon bekommen. Ich sehe so friedvoll aus, dass ich unbedingt Moiji besuchen muss. Er wohnt irgendwo in den Bergen Portugals. Vielleicht. Warum nicht?