Wohin der Wind mich treibt

Harris wurde entführt. In Viroinval wollte ich auf dem Marktplatz warten, bis ein Cafe‘ aufmacht. Da kam Mike mit einer Einkaufstüte unter dem Arm vorbei und fragte, ob er mir helfen könne. Das Café wäre geschlossen, aber er hätte Kaffee. Bevor ich mich zu einer Antwort durchdringen konnte, ist er schon mit Harris voran losgerannt. Mir blieb nichts anderes übrig, als hinterher zu laufen. Eine gute Entscheidung: Bei Mike gab es Energie für mein Handy, Café und Feigen, Wasser, Seife und ein frisches Handtuch. Sogar Toilettenpapier für meine weitere Reise hat er mir angeboten. Sehr aufmerksam! Am Donnerstag habe ich zum ersten Mal mein Zelt aufgebaut. Irgendwo tat es gut, mal in den eigenen vier Wänden zu liegen. Freitag habe ich im Dumoncau Levaast Francoise übernachtet. Eine weise Entscheidung – so viel Regen – und in Rocroi gibt es jede Menge zu entdecken. Die Stadt ist sternförmig angeordnet und die alten Festungsanlagen kann man betreten. Als meine Wirtin gehört hat, dass ich nie weiß, wo ich übernachte, kam von ihr der Spruch “ Wohin der Wind dich treibt“. Und so ist es wirklich. Ich weiß nicht, wo meine Gedanken und Gefühle mich hin treiben. Ich renne jeden Tag meine Kilometer, über Felder, durch Wälder und Städte. So viele Eindrücken fluten auf mich ein. Ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hinschauen soll. Es gibt so viel zu Staunen, ob es die so einladend aussehenden Häuschen sind, die unterschiedlichen Menschen mit ihren Geschichten, die netten Tiere und und und. So viele Bilder kann ich euch gar nicht zeigen. Und dann ist da noch das Rauschen des Windes, das Geplapper der Vögel, neulich habe ich einen Eisvogel gesehen, das Gesumme von Wespen und Mücken. Könnte ich das alles einfangen….. Eine Spinne reist mit mir, seit ich das Zelt zum ersten Mal aufgebaut habe. Wirklich, ich habe versucht, sie wieder in die Freiheit zu setzen, aber jedes Mal ist sie mir wieder weggekrabbelt. Na gut, dann kommt sie eben mit, meine zweite Gefährtin. Ich hoffe nur, ihr passiert nie etwas, wenn ich das Zelt zusammenlegen. Wenigstens hat sie es im Zelt trocken. Im Gegensatz zu meinem Handtuch. Das ist mir heute in den Bach gefallen und jetzt hängt es schon wieder im strömenden Regen.



