Wildcampen entlang der Maas

In Namur gönnen Harris und ich uns ein weiches Bett. Früh am Morgen geht es weiter, immer an der Maas entlang, über viele kleine Dörfer und durch das mit Felsen verwachsen Dinant. Heute campe ich in der Nähe von Heer Agimont. In Dinant übt Harris sich als Rattenfänger: Wir kommen an einer Schule vorbei. Die Jungen im Alter von vielleicht acht Jahren staunen über meinen Knüppel und laufen begeistert ein Stück hinter ihrem Zaun entlang mit, während ich Harris wild schwenke. Die Strecke ist jetzt absolut super zu laufen, umso schwerer die Schlafplatzsuche. Ich kann stundenlang irgendwo herumliegen und Löcher in die Luft gucken. Ab Nachmittags tue ich das meist, erschöpft, wie ich bin. Nur – je bewohnten die Gegend, umso schwieriger ist es, mich zu verstecken. Vor Hunden bin ich auf der Hut, gerade dann, wenn die Besitzer lautstark nach ihnen rufen. Als ich in einer Feldabgrenzung übernachtet habe, muss mich ein Passant Zähneputzen gehört haben. Er hat verdächtig in meine Richtung geschaut. Gott sei Dank ist er dann weitergegangen, aber als wenig später ein Jeep vor meiner Hecke Fahrübungen gemacht hat, ist mir das Herz in die Hose gerutscht. Dicht an einem Felsen geschmiegt, bin ich in einer anderen Nacht ständig die Isomatte heruntergerutscht. So ein Räuber- oder Wegelagerleben, ist wirklich aufregend. Apropos Räuberleben und wildes Leben: Ich verstehe langsam, warum Harris bei mir ist. Wie ihr wisst, bin ich auf der Suche und mir ist klar geworden, wonach: Ich suche den Schlüssel zum wahren Leben, zu dem, was hinter allem ist, was ich längst spüre, aber noch nicht zu fassen bekomme. Harris und ich sind auf der Jagd. Mit Harris Hilfe kann ich die Grenzen des Alltagsbewusstseins auflösen, bis in die Tiefen des Universum hinein. So fern und doch so nah. In allem, was uns umgibt. Zeit und Kausalität lösen sich auf. Alles ist Magie und Verwandlung. Ich werde die, die ich immer gewesen bin, im vorherigen Leben und im zukünftigen und alles wirbelt bunt um mich herum. Es ist eine andere Art des Daseins, eine andere Art des Reisens. Ich bin mit allen Möglichkeiten und allen Daseinsformen verbunden. Ich kann Baum, Wolf oder Papiertüte sein. Auf die Erde geworfen als etwas, was nie dazugehört und doch mit allem verbunden ist. Der ewige Don Quichotte. Das Leben wird zum Spiel, zum Kampf um die Freiheit und genau zu diesem Kampf bin ich aufgebrochen. Ich werde euch beweisen, wie verrückt die Welt ist.
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