Beim Friseur

Ich bin seit sieben Tagen unterwegs, habe mich mit Sack und Pack und Harris über Stock und Stein gekämpft. Es ist herrlich und sehr anstrengend. Harris balanciert von einer Hand in die andere. Aber soll ich euch etwas sagen? Ich bereue nichts! Mein Harris hat eine unglaubliche Wirkung auf die Menschen: „Guck mal, die trägt einen großen Stock!“ Manche lachen sich kaputt und fragen nicht weiter nach, andere sind neugierig und fragen, warum ich das tue. Dann erzähle ich nicht das, was ihr aus meinen Geschichten wisst. Ich verrate meinen Harris nicht. Ich sage, einfach, dass ich meinen Stock so sehr mag, dass ich ihn einfach mitnehmen muss. Zumindest tun die meisten so, als würden sie das verstehen. Harris ist magisch. Mit ein paar gekonnten Schwingungen fängt er Gelächter, Lächeln und Grinsen ein. Wow. Ich bin stolz auf ihn. Dabei sieht er jetzt wirklich unmöglich aus, hat sich eine neue Frisur verpasst. Er ist mir heruntergefallen. Erst war die eine Gabel ab. Verzweifelt habe ich mit meinem Verbandszeug versucht, alles zu richten. Vergebens. Eine Stunde später fiel die andere Seite ab. Jetzt ist er nur noch ein Stab, aber was für einer. Ein Zauberstab! Seine Kräfte haben dadurch nicht nachgelassen. Er ist nur ein wenig leichter geworden. Ach ja, ich habe euch ja noch gar nicht verraten, wo ich bin. Ich sitze hinter Vise in einem Wald. Noch haben die Waldbewohner mich nicht gefunden. Mittwochnacht stand eine ganze Pferdeherde hinter mir am Zaun, Donnerstag sind Eichhörnchen um mich herum geturnt, vorgestern ein Igel und gestern eine Hasenfamilie. Gänse und Sternschnuppen fliegen über meinen Kopf hinweg. Ich bin auf dem Jakobsweg. Durch Maastrich und Vise geht es nach Lüttich und von dort aus weiter.



