Per Anhalter durch die Galaxie

Manchmal überholen wir – die Ponte Rainha Dona Amelia ist für Autos einspurig

Manchmal werden Harris und ich mitgenommen. Ich lege es nicht darauf an und doch passiert es in letzter Zeit ständig, dass ein PKW neben mir hält und mich der Fahrer fragt, ob ich ein Stück mitgenommen werden möchte. Ich muss dann immer an den Anhalter aus meiner Kindheit in der kleinen und karierten Stadt denken, wo ich aufgewachsen bin. „Glotz nicht so, wenn du groß bist, machst du das auch,“ meinte er zu mir. Ich musste wirklich richtig groß werden, um das zu tun. Bedenken habe ich in Portugal überhaupt nicht. Nachdem ich Santarem hinter mir gelassen hatte, ging es am Tajo entlang und an einem Nebenfluss. Ein Weinbauer hat mich rechtzeitig gewarnt und an der richtigen und nicht überschwemmten Stelle abgesetzt. Heute hat eine Frau extra wegen mir gewendet und mich nach Salvaterra de Magos gebracht. Meine Rettung, sonst hätte ich noch mindestens eine halbe Stunde ohne Koffein im Blut an der Straße entlanglaufen müssen. Der Sohn der Fahrerin ist neunzehn, aber wenn der mal aus dem Haus ist, dann will sie auch auf Wanderschaft gehen. Sie würde das auch schon jetzt, aber hier in Portugal achten die Leute ganz genau auf ihre Mitmenschen. Und was wäre sie für eine Mutter, wenn sie das arme Söhnchen jetzt schon allein lässt? So würde geredet werden. Oh, ich verstehe sie nur zu gut. Ich wurde schon als Jugendliche darauf trainiert, nicht darauf zu hören, was die Leute sagen. Wie anders wäre mein Leben sonst verlaufen! Meine Umwege haben mich auch Richtung Valada getrieben, was wieder auf der anderen Seite des Flusses liegt. Kleine Häuser stehen direkt hinter dem Deich. Als der große Regen kam, hatten die Menschen hier Angst, dass der Deich bricht, erzählt mein Gastgeber Nuno. Deshalb hat er auch immer noch das Paddelboot an seinem Haus stehen. Die ganze Gegend war abgeschnitten, allein die Eisenbahn fuhr. Transportiert die sonst nur Güter, wurde kurzerhand umdesponiert auf Personen, damit die Leute wenigstens zur Arbeit kommen. Der Deich hat gehalten und Nunos wunderschönes Pferd konnte ungehindert weitergrasen. Es ist ein Sportpferd und bringt ihm als Neuling bei, wie man mit einem Pferd umgeht. Das ist die beste Art zu reiten.

Wo andere hart arbeiten, dümpelt ich in der Gegend herum

Mein Zelt hat mich wieder, aber in den Nächten werde ich noch oft wach vor Kälte. Egal. Die Tage sind dafür umso schöner

Hier bin ich nicht rübergekommen. Vor Benavente

Benavente