On the road again

Portugal hat mich wieder! Mein Rucksack ist um ein Herzchen aus Leder schwerer geworden, meine Gedanken leichter bei dem Gefühl, dem entgegenzulaufen, was meine Bestimmung ist und dabei Unterstützung zu bekommen. Von lieben Menschen und unsichtbaren Kräften. Harris hat brav in der Unterkunft in Vendas Novas auf mich gewartet. Wild tauschen wir unsere Energien aus – Liebe, Schöpferkraft und Magie. Diesen Funken will ich gerne und mit offenem Herzen an andere – ob Mensch, ob Wesen – weitergeben. Dafür wandere ich auf der Welt umher. Leider musste ich feststellen, wie hilflos ich trotz allem bin. Die Schildkröte ist tot. Ich habe ihren leeren Panzer am Fluss gefunden. Hätte ich anders reagieren müssen, als wir uns begegnet sind? Wie war ihr Schicksal? Wurde sie von wilden Tieren angegriffen, hat sie sich krank und hilflos mit letzter Kraft zum Fluss geschleppt? Ich werde das nie erfahren, sie aber nie vergessen. Den Border Collie Welpen geht es dafür umso prächtiger. Sie sind richtig groß geworden in den vergangenen Wochen und hätten zu gerne mit mir gespielt. Die Mama hat ihre Streicheleinheiten bekommen und der Besitzer hat mir noch einen Kaffee gekocht. Ich hätte auch eine Welpe mitnehmen können, aber wie soll das gehen, wenn ich selbst noch nicht einmal weiß, wo ich hingehöre. Wenn mich jemand auf meinen Touren beobachten und dem lauschen würde, was ich vor mir hin murmle, würde er mich bestimmt für verrückt erklären. Aber das macht mir nichts mehr aus. In Lissabon war ein dünner Mann mit Mütze, Jeans und Turnschuhen und hat allen PKW s auf dem Platz entgegengepfiffen und gewunken. Er wollte ihnen ihren Parkplatz zuweisen. Mit einem Mann im Porsche ist er noch um das Auto herumgelaufen und hat gefachsimpelt. Nun, ich möchte Wetten, dass dieser Mann in seiner Welt und mit seiner großen Aufgabe glücklicher ist, als so manch anderer. Wir sind nie an das gebunden, was andere von uns denken. Jeder darf sich seine eigene Welt bauen, nur nicht auf Kosten anderer. Das ist Freiheit. Und mein bester Freund ist nun einmal ein Stock und ich bin stolz darauf. In einem Cafè lief Taylor Swifts “ Opalite“ im Fernsehen. Dabei geht es um eine Frau, die einen Felsbrocken als Freund hat, und um einen Mann mit einem Kaktus. Diese Menschen werden von niemanden verstanden und gebeten, die Restaurants und Bars mit ihren Freunden zu verlassen. Am Ende kommen die Frau und der Mann zusammen und sie verleugnen ihre ehemaligen Gesellen. Nun – noch werde ich mit Harris überall willkommen geheißen, aber ich schwöre, das bleibt auch dann so, wenn sich das ändern sollte. Ich stehe zu meinem Anderssein. Ich bin auch ganz ruhig geblieben, als auf dem Weg in die nächste große Stadt von Vendas Novas aus, das sind über vierzig Kilometer und dafür brauche ich schon ein paar Übernachtungen draußen, ein Polizeiauto mit Blaulicht ganz langsam an meinem Schlafplatz direkt unterhalb der Straße vorbeigefahren ist. Geschützt hat mich nur das hohe Gras und der Abhang. Mein Zelt hatte ich Gott sei Dank noch nicht aufgebaut. Und dann ist eine ganze Horde fröhlicher Pilgerer auf dem Weg nach Fatima an mir vorbeimarschiert! Deshalb der Polizeischutz! Sie haben mir zugewinkt und ich konnte ihnen „Bon Camino“ wünschen. Zu lustig. Erwischt mitten im schönsten Trödeln und Schreiben, eingequetscht zwischen Straße und dem Maschendrahtzaun einer Schafsweide. Nun bin ich in Alcacer do Sal, einer Stadt mit einer wilden Geschichte. Wegen des Salzes und der guten Lage am Fluss, waren nicht nur die Römern, sondern auch die Muslime hier. Der Museumswärter wusste mich nicht zuzuordnen. Wegen meinem komischen Gemurmel, durchmischt mit ein paar Brocken Portugisisch, meinte er, ich wäre vielleicht Portugiesin. Meine Aussprache sei akzentfrei. Und das mir, die so schlecht fremde Sprachen lernt. So was ist mir noch nie passiert. Und ach ja, ich darf nicht vergessen, von Henry zu erzählen. Henry habe ich in Casabres schon von Weitem aus einem kleinen Cafè lachen hören. Um zehn Uhr morgens gönnt er sich da seinen Rotwein und unterhält auch die Hundedame Maria seines Trinkgenossen Markus bestens. Henry hat eine Ex- Freundin in Brasilien, die er unbedingt wiedersehen möchte, und lachte sich über meinen schweren Rucksack und Harris scheckig. Über mein Sternzeichen hat er mein Alter herausgefunden und mich für jünger befunden. Mit Maria habe ich meinen Kekskringel geteilt. Aber die Feinschmeckerin nimmt den nur vorsichtig zwischen die Zähne, um ihn draußen auf dem Gehweg abzulegen. Bon Appetit an den nächsten freilaufenden Hund. Oder Katze? Beijinhos e Abracinhos, Küsschen und Umarmung, darauf bestand Henry zum Abschied. Meine Reise geht weiter, eine Mischung aus höchster Anstrengung, reiner Natur und Trödeln in der nächsten großen Stadt. Mit jedem Schritt öffne ich mich weiter für die große Welt. Willkommen!


















































