Odysee

Nach einer wahren Odysee mit der Bahn bin ich in Santiago de Compostela angelangt. Auf französischen Bahnhöfen kann man keine Tickets für Spanien kaufen. In Hendaye musste ich die zwanzig Meter nach Hendaia laufen, um an die ersehnten Tickets zu kommen. In Pasaia hängen zwar noch die Schilder nach Miranda De Ebro, aber der Zug fährt wahrscheinlich schon seit Ewigkeiten nicht mehr. Woher soll ich das wissen? Zwei Stunden habe ich auf dem Bahnhof gesessen bis der nächste Zug für die nächstbeste Reisemöglichkeit kam. In Donostia- San- Sebastian hieß es dann schon wieder warten. Das System an diesem Bahnhof ist drollig: Die ganze Zeit rennen Reisende aus den Nahzügen bei den Gleisen hin und her. Zwanzig Minuten bevor der Fernzug eintrifft, kommen Menschen in Uniform und sperren den Eingang ab. Jetzt dürfen nur noch auserwählte Reisende den Bereich betreten. Die Fahrkarten werden vor dem Einsteigen in den Zug kontrolliert. In Madrid müssen die Reisenden ihr Gepäck durchleuchten lassen. Ich war so frech und habe meine Jacke anbehalten, ebenso den Bauchgurt mit dem Taschenmesser. Hat keinen interessiert. Nur Harris wurde mir aus der Hand genommen und auf den Kopf gestellt. Was auch immer er verbergen mag. AWas ich eigentlich erzählen wollte: In Lourdes hatte mich ein Bettler angesprochen. Eigentlich sah er recht gepflegt aus, seine Schuhe nicht abgelaufen. Ich habe ihm ein wenig Kleingeld gegeben, er hat irgendetwas von “ mein Hotel“ geredet. Ich habe ihn natürlich kaum verstanden. Am nächsten Tag habe ich ihn auf einen Hoteleingang zulaufen sehen. Die haben ihre großen Glastüren aber nicht für ihn geöffnet. Was da für ein Schicksal hinter steht? Man weiß es nicht. Ob er einmal reich gewesen ist und immer noch in dem Glauben ist? Wurde er wirklich aus dem Hotel geworfen und findet seine arme Seele keine Ruhe? Spricht er deshalb Tag für Tag Touristen an, um sich die tief in ihm sitzende Sehnsucht nach einem warmen und ordentlichen Ort, wo er als Gast respektiert wird, zu erfüllen? Ich kann ihn so gut verstehen. Jim habe ich auch wieder getroffen auf dem Bahnhof in Lourdes. Ich glaube, Jim ist auch so einer, der noch nicht den Platz gefunden hat, wo er hingehört. Minutenlang hat er an meinem Zug gestanden und mir zugewunken. Harris ist gerne in Spanien. Besonders, wenn kaugummikauende Jugendliche in Lederjacken uns den erhobenen Daumen zeigen, findet er das cool.















