Volle Kraft voraus….

Die Straßen von Maastricht sind so voller Menschen, dass es kaum Raum für eine Wanderin mit einem großen Stock in der Hand gibt. Harris und ich sind froh, als wir abends im Nirgendwo hinter Richelle auf den weichen Waldboden sinken. Die wenigen Spaziergänger achten Gott sei Dank nicht auf Waldbewohner, auch nicht auf solche, die sich nur zur Miete einquartiert haben. Katzenwäsche in den kleinen Flüsschen am Wegesrand muss reichen und so marschieren wir gegen Mittag in Lüttich ein. In der Auberge du Pelerin Saint Francois weiß man nichts von unserer Anmeldung. Aber der nette Torwächter, der in wildem Französich auf mich einredet, überreicht mir schließlich den Schlüssel zu einem Zimmer. Duschen – herrlich. Harris ruht sich von all den neuen Eindrücken aus, während ich nachmittags das Zentrum von Lüttich erkunde. Das Straßenbild ist dort ein ganz anderes als in Maastricht – ein bunter Mix aus unterschiedlichen Kulturen. Ich werde drei Mal von Bettlern angesprochen. Gleich hinter meiner Herberge liegt ein riesiges verlassenes Gebäude. Dort hat die Natur wieder die Herrschaft übernommen. Harris ist begeistert, als ich ihm davon berichte. man muss durch einen kleinen Tunnel, um dort hinzugelangen. In dem Gebäude führen halb verfallene Treppen nach oben. Liebevoll wird mir nach meinem Ausflug von einer Klosterschwester das Abendessen serviert. Das weiche Bett macht das Verwöhnprogramm komplett. Nach einem ausgiebigen Frühstück geht es weiter, quer durch Lüttich, dreimal muss ich über eine Brücke. An einem Treppenaufgang sitzt ein junger Mann aus Bangladesch und macht Harris Komplimente: „Was für ein schönes Stück.“ Ich erzähle, dass Harris vor ein paar Tagen ganz anders ausgesehen hat, aber das stört ihn nicht. Er findet Harris trotzdem wunderschön. Hinter Lüttich geht es über steile Wege wieder in den Wald hinein. Und Stunden später, neben einem versumpften Teich, sitzt eine Träumerin.










