marensverrücktewelt
Die wunderbaren Abenteuer einer modernen Heldin
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Frühlingserwachen

admin

Februar 26, 2026

Ich halte Harris in meinen Händen. Es ist, als wenn wir nie getrennt gewesen wären. Tapfer hat er in Golega Stellung gehalten. Mich macht es ein wenig traurig, dass sich keiner auf der Karte von Harris verewigt hat. Aber seine Energie sind für Außenstehende wahrscheinlich schwer zu verstehen. Der Rückflug nach Portugal verlief reibungslos, ebenso die Busfahrt nach Torres Novas. Die letzten Kilometer nach Golega bin ich zu Fuß geeilt. Und da stand mein Freund in der Waschküche, als könne er kein Waschküche trüben. Schwungvoll und in Shorts haben wir uns am nächsten Morgen auf den Weg gemacht zu einem kleinen Abstecher zurück in den Norden. Ich hab ja von dem Mann in Tomar an der Bushaltestelle erzählt. Alingo heißt er und er wollte mir unbedingt noch sein eingestürztes Haus zeigen. In Vila Nova da Barpuinha hat er mich mit seinem Opel abgeholt. Und sein Haus ist wirklich eingestürzt! Seine kleine Bibliothek schwimmt im Wasser und Elektrizität gibt es seit dem Sturm nicht. Der Hühnerstall ist voll Schlamm und Hahn und Henne werden nur für wenige Stunden dort vor dem Fuchs in Sicherheit gebracht. Der Fuchs möchte ja auch essen. Vier Hunde gehen ein und aus und wollen gestreichelt werden. Zum Abendbrot gibt es Brot und Tomate. Alingo studiert Psychologie in Coimbra und hat nicht viel Geld. Die Universität kostet Geld und wenn er studiert, kann er nicht arbeiten gehen. Aber er ist zuversichtlich, dass es irgendwann besser wird und er sein bescheidenes Leben mit einer Tätigkeit finanzieren kann, die ihm auch Spaß macht. Ich finde das sehr mutig, immerhin ist er wesentlich älter als ich. Sein Nachbar hört gar nicht auf, zu reden. Im Moment forscht Alingo per Chat für alle, die neugierig sind, in ihren vergangenen Leben. Genaueres hat er mir leider nicht verraten, wahrscheinlich habe ich ihn auch mit meinem Geplapper über die Zeichen auf Harris, die definitiv aus meinen vielen vergangenen Leben stammen, verwirrt. Ich sage es ja, es ist nicht einfach mit mir und schon gar nicht, wenn ich mit Harris auftauchen. So muss ich mich allein auf Forschungsreise begeben und genau das wird geschehen.

Ohne Harris in Deutschland. Da helfen nur warme Getränke

Vor einem paar Wochen war der Weg noch unpassierbar
Das Wasser geht zurück
Der Frühling kommt
Kirschblüte
Störche
Und ganz viel Gänseblümchen

Ein lost place in Quinta da Cardiga
Das bleibt zurück. Wie mag es gewesen sein?
Natürlich Elefanten
Riesige verlassene Gebäude

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Mein Weg

admin

Februar 18, 2026

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Erwachen

admin

Februar 13, 2026

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Getrennt

admin

Februar 12, 2026
Allein in Lissabon

Es hat sich nicht einer auf meine Anzeige gemeldet. Niemand nimmt mich ernst. Jetzt bin ich für gut eine Woche in Deutschland und keiner hat die Gelegenheit genutzt, um Zeit mit Harris zu verbringen. Glaubt bloß nicht, dass ich dieses wundervolle Angebot noch einmal mache. Harris wartet allein in einer Wäschekammer auf mich. In Tomar haben wir noch zusammen den Sturm abgewartet und dabei Eveline aus den Niederlanden kennengelernt. Weil sie daheim wegen dem Wetter weder Strom noch Wasser hat, ist sie für ein paar Tage in das Hostel geflüchtet. Sie hat eine ähnliche Geschichte hinter sich wie ich, eine Mutter auf der Suche. Mal arbeitet sie als Friseurin, dann als Lehrerin oder Naturcoach. Sie möchte andere Menschen mit ihren besonderen Fähigkeiten glücklich machen und vergisst dabei gerne sich selbst. Zusammen sind wir abends durch Tomar gezogen. Dann ging es für mich weiter. Und wie immer habe ich mir viel zu viel Sorgen gemacht. Es wären zwanzig Kilometer bis zur nächsten Herberge gewesen und das unter Regenschauern. Bereits nach den ersten fünf Kilometern schüttete es aus Eimern und prompt hielt ein Auto. Der Fahrer hat mich nicht nur zu Tee und Keks bei sich zuhause eingeladen, er hat es sich auch nicht ausreden lassen, mich nach Vila Nova da Barpuinha zu fahren. Die paar Kilometer nach Golega am nächsten Tag waren ein Kinderspiel und genau dort habe ich Harris in der Herberge von Elsa zurückgelassen. Mein Flieger startete in Lissabon. Ab ins Schneechaos nach Deutschland, mehr brauche ich dazu nicht zu sagen. Wenigstens bin ich meine Nüsse und die Schokolade aus den Tiefen meines Rucksackes losgeworden. Der Flaschensammler Adrian hat sich über die zusätzliche Energie gefreut. Die braucht man auch auf den kalten Straßen in Deutschland. Seit dieser Begegnung grüble ich darüber, wie ich meine Mitmenschen um ein wenig Kleingeld bitten würde. Adrian hat mich um Rat gefragt, aber ich glaube, ich würde mich ziemlich unbeholfen anstellen. Es kommt wohl immer darauf an, wen man anspricht. Er hat mir auch geraten, mich lieber unter den Radius einer der Überwachungskameras auf dem Bahnhof zu setzen, falls ich einschlafen sollte. Tief in der Nacht bin ich bei meiner Freundin angekommen und scharre schon wieder mit den Hufen. Portugal und Harris rufen.

Harris wartet
Und wartet
Das Museum für moderne Kunst in Lissabon
Straßenfeger. Ich fühlte mich immer von ihnen angezogen.
Wo habe ich in anderen Leben gefegt? Strich um Strich und schon ist es Kunst.
Nomaden haben ihren Haus immer dabei und wenn sie sich auf den Kopf stellen
Fliegende Pferde

Lissabon

Schreiben im Café

Das kommt dabei heraus. Mein Reisebild

Ich sitze mit meiner Zimmernachbarin Eveline im Café. Wir trödeln und beobachten die Leute um uns herum. Die unterschiedlichsten Sprachen vermischen sich hier, Portugisisch, Englisch, Französisch und Deutsch. Der Kellner kommt aus der Schweiz und jongliert mit den Sprachen wie Eveline. Die Tage fliegen dahin. Meine Sehnsucht danach anzukommen wird immer stärker. Aber es wird dauern. Ich muss Geduld haben. Ich weiß. Die Geborgenheit, die ich suche, finde ich nicht in den vier Wänden. Sie ist in meinem Herze. Ich fühle es schon. Ich fühle, wie die Dimensionen sich verschränkt, Grenzen aufgelöst werden und wie alles um mich herum vor Leben pulsiert. Ich fühle die Wesen. Noch kann ich es nicht sichtbar machen, beweisen. Ich fange an, in einer mir unbekannten Sprache zu singen und kann es nicht begreifen. Aber eines Tages…. Und dann setze ich meine Kinder und alle, die mir am Herzen liegen, einfach in einen Bus und nehme sie mit in meine Welt. Auch die anderen. Ich lasse niemanden zurück, egal was passiert ist. Für meine Reise braucht man keine Genehmigung oder ein Ticket.

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Wenn du glaubst, dass du glaubst…..

admin

Januar 31, 2026
Da! Ganz undeutlich, aber ich glaube, das ist ein schwarzer Schwan.

Alle, die wie ich Philosophie studiert haben, wissen um den “ schwarzen Schwan“ , der in den Logikkursen herumgeistert. Die Theorie des Schwarzen Schwanes besagt nichts anderes, als das für uns alle Schwäne weiß sind, bis wir einen schwarzen Schwan gesehen haben. Zurück geht das auf Nassim Nicholas Taleb ( „The Black Swan“ 2007), der mit seiner Theorie verdeutlichen wollte, dass wir uns immer der Grenzen unserer Wahrnehmung und unseres Bewusstseins klar sein sollten. Wenn wir das nicht tun, können wir große Überraschungen erleben, die uns schwer erschüttern. Ich habe heute einen schwarzen Schwan gesehen. Und wenn das möglich ist, dann ist es auch möglich, dass Elefanten auf dem Bahnhof spazierengehen. Basta! Daran glaube ich fest und ich werde das beweisen, so wahr ich Maren heiße! Alles ist möglich. Sogar Enten, die sich riesige Stöcker für ihre Nester suchen und alle Menschen, die auch Äste sammeln, scheel beäugeln. Auch das habe ich mit eigenen Augen gesehen! Ich bin begeistert von dieser Welt.

Da staunt auch der Drache
Totenkopf
In der Kirche
Und Papageien? Hühner?
Der moderne Heilige Carlo Acutis. Er hat eine Website mit Wundern zusammengestellt. Ein Influenzer Gottes. Seinem Leichnam wurde das Herz entnommen und es wird ausgestellt!

Hab ich im Bücherregal entdeckt!

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Im Auge des Sturmes

admin

Januar 31, 2026

Das Paket hat die Reise nach Portugal geschafft. Eine klitschenasse Botin hat abends an meiner Scheibe geklopft. Meine alten Sandalen dürfen in den wohlverdienten Ruhestand. Die Neuen wurden im wahrsten Sinne des Wortes in das kalte Wasser geschmissen. Die Wege sind nach den heftigen Regengüssen gespickt mit riesigen Pfützen. Ich frage mich zum wiederholten Male, wie die Pilgerer mit den festen Schuhen das machen. Sie bekommen doch nasse Schuhe und Socken! Bei mir rinnt das Wasser durch, nach ein paar Metern unter Quitschen und Quatschen ist alles wieder gut. Harris und ich konnten drei Wandertage genießen. In Vila Verde durfte ich in die Gartensauna und Andrus Kürbissuppe kosten. Andrus hat einen riesigen Roter Pfefferbaum im Garten stehen und schimpft, dass das Wetter dieses Jahr so schlecht ist, dass die Körner noch nicht reif sind. In der Unterkunft in Calvinos habe ich im Gästebuch gestöbert. In Tomar hat mich der Sturm überrascht. Bereits die Suche nach der Unterkunft dort war eine Herausforderung. Der Hostelier nimmt seinen Hotelnamen sehr ernst : „Templar Secrets House“. Das Hostel ist vortrefflich in einem Hochhauskomplex versteckt. Ich war glücklich, als noch ein Pärchen anreiste und mitsuchte. Der Zahlencode öffnete uns zunächst die Abstellkammer, definitiv zu klein für drei Personen, und dann die Garage mit dem Zugang zum Treppenhaus. In der Nacht hatte ich den Wind zu Gast in meinem Zimmer. “ Qui arriba en la nit fosca, i truca a la meva porta? Ès una anima en pena o una rata mig morta? Wer kommt in der dunklen Nacht und klopft an meine Tür? Ist es eine trauernde Seele oder eine halbtote Ratte?“, um es mit Pippi Langstrumpf zu sagen. Um drei Uhr morgens fiel der Strom aus. So eilig habe ich noch nie eine Herberge verlassen. Die Straßen waren voll mit Menschen auf der Suche nach Energie, der Strum hat das gesamte System lahm gelegt. Auf dem Weg in die Stadt hat mich eine alte Dame mit Portugisisch überflutet. Ich habe nur immer “ Si, si“ gesagt. Wird schon stimmen, habe immerhin verstanden, dass ihr Fernsehen nicht geht.Wir haben über die Äpfel in den großen Schuhen an meinem Rucksack gelacht und weiter ging es. Am Busbahnhof gab es keine Auskunft am Schalter. Wie auch, ohne Strom und Telefon? Neben mir auf der Bank saß ein Mann mit einem wunderschön klingenden portugisischem Namen. Er hat im Sturm Haus und Auto verloren, kicherte aber über eine Frau mit Regenschirm, die zornig auf dem Busbahnhof den nicht kommenden Bus beschimpft. Wir sind ins Gespräch gekommen haben uns mit Wangenküsschen verabschiedet. Ich hoffe, er bewahrt sich seine Lebensfreude. Welche Überraschung: Der Bus nach Fatima ist gekommen. Ich war schon kurz davor, einfach los zu stampfen in die Wildnis. Keine gute Idee bei den Wetterbedingungen. Auf der Fahrt habe ich Harris ganz doll festgehalten. In Deutschland hätte kein Auto fahren dürfen, aber in Portugal hat uns der Fahrer munter Erdrutschen und umgekippt Bäumen vorbeimanöviert. Es ging unter hängenden Leitungen hindurch und über überschwemmt und verkieste Straßen. Respekt! Angekommen in Fatima das nächste Problem: Wie ohne Navi die Unterkunft finden? Ich war bereit, ein Taxi zu nehmen. Nachdem mir drei vor der Nase weggeschnappt worden sind, hatte jemand Mitleid mit mir. Sie wartete dort mit ihrer Freundin auf ihre Tochter. Was für ein Zufall: Sie kennt die Unterkunft, wo ich gebucht habe. Es ist verrückt, wie immer genau dann liebe Menschen auftauchen, wenn man sie braucht. War ich froh, als ich im Warmen und Trockenem war. Das Unwetter tobte weiter. Voller Dankbarkeit habe ich die heilige Fatima besucht, war sogar zur Beichte. Der Pfarrer durfte sich meine Geschichte anhören, den Grund, warum ich herumirre. Er riet mir, mir wieder eine Heimat zu suchen. Aber das kann ich nicht, noch nicht. Meine Reise ist noch nicht zu Ende. Ich bekomme das Unaussprechliche immer noch nicht zu fassen. Da hilft nur Beten und Geduld. Ja! Einen Gottesdienst habe ich besucht. Die Worte klangen so schön. Verstanden habe ich nichts, aber ich mag es, zwischen den Gläubigen zu sitzen und ihren Frieden zu spüren, mich zu fragen, welche Geschichten sie mit sich herumtragen. Die Oblate des Abendmahles hat mir der Pfarrer feierlich in die Hände gelegt, nur um mich gleich darauf misstrauisch darüber zu belehren, dass ich die gleich und ganz in den Mund zu legen habe. Ja, ich respektiere den katholischen Glauben, würde niemals in irgendeiner Zeremonie etwas tun, was dem widerspricht. Obwohl ich glaube, vor hunderten von Jahren, als die Templer blutig in Tomar gekämpft haben, hätte man mich für meine Gefühle und Gedanken auf den Scheiterhaufen gezehrt. Allein Harris! Vielleicht haben sie das sogar getan, in einem anderen Leben. Dabei bin auch ich nur auf der Suche nach dem heiligen Gral, auf meine ganz spezielle Weise. Ein moderner Don Quichotte. Schaut, was ich gefunden habe: Für andere mag es etwas sein, was einmal an der edlen Handtasche einer feinen Dame hing, für mich ist es ein Zeichen dafür, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Wie ein Geist wandelt ein koreanischer Pfarrer über den Jakobsweg. Wie gerne wäre ich ihm begegnet.
Die Übersetzung ist immer anders, aber ich erahnen die Bedeutung seiner schönen Worte
Ein Wanderer
Ein Suchender

Schwerer Abschied
Tomar
Templer
Und Burgen
Der Wind
Auch in Fatima hat er getobt
Zelten unmöglich

In den heiligen Hallen
Soviel Liebe in einem Souvenirshop
Ich kann es fühlen
Ein Herz kann soviel aushalten
Und manchmal ist man nur müde, auch ein Jesus.

Mein Fundstück!

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Kindermädchen gesucht

admin

Januar 23, 2026

z

AUFRUF: Ich suche eine trockene Unterkunft für einen Stock. Ein Kindermädchen wäre super, oder aber ein Magier, gelernt oder in Ausbildung.

Wer ist bereit, in Portugal auf Harris aufzupassen, wenn ich Anfang Februar für ein paar Tage in Deutschland bin? Er quatscht nur, wenn man ihm zuhört, ist geladen mit Energien und steht selten im Weg. Nur dann, wenn man ihn dort platziert, wo er nicht hin will, wird er sperrig und widerspenstig, schmeißt sich auf den Boden, kratzt mit seiner Zacke und tritt mit dem Fuß auf große Zehen. Über täglichen Auslauf und Begegnungen freut er sich sehr. Selten hat er schmutzige Füße. Er krümelt nicht und seine Gravuren wandeln sich stetig im Fluss der Wahrnehmung und der Zeit. Wenn man ihn einmal als Freund gewonnen und begriffen hat, wie er behandelt werden möchte, dann kann man mit ihm über alle Wege und durch alle Welten fliegen. Er zeigt dir Dinge, die sonst unentdeckt geblieben wären, lockt die drolligsten Wesen und bringt Menschen zum Kopfschütteln und Lachen. Voller Liebe wandelt und verwandelt er auf allen Wegen. Das sind seine Tücken und Gefahren. Ich selbst habe seine Facetten noch nicht ganz begriffen. Da bin ich ehrlich. Melde dich also nur, wenn du wirklich bereit dafür bist, diesem raffinierten, tückischen, aber herzallerliebsten, Schlitzohr zu begegnen.

Bewirb Dich jetzt!

Warten auf das Paket. Ich habe die Wand gemalt. Seht ihr, wie sie mich auslacht und verändert, sobald ich nur mit dem Auge zwinkere?
Hier lauert ein Drache
Dort ein goldenes Kalb mit Füllhorn
Eine Garnele? Die soll ich gemalt haben?

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Fantastische Reise mit Adlern und Drachen

admin

Januar 21, 2026

Ich vergesse manchmal, wie lange ich von wo aus unterwegs war und was ich wann erlebt habe. Es ist so viel, was täglich auf mich einflutet. Der letzte Beitrag ist lange her. Coimbra habe ich vor einer Woche verlassen und bin erst in Alvaiazere, bleibe hier für ein paar Tage, weil ich auf ein Paket aus Deutschland warte. Auch in der Herberge Coimbra durfte ich mich mit einer festen Umarmung verabschieden: Kathryn kommt aus den USA und ist für ein paar Wochen in Portugal unterwegs. Sie ist manchmal von den vielen Reizen genauso müde wie ich, versteht nicht, warum einige ihrer Freunde Trump gewählt haben, ist Idealistin durch und durch, vermisst ihre fünfzehn Katzen und ist in Coimbra mit dem Bus auf die Suche nach Wolle gefahren. Abends hat sie mir ihre Beute zwischen den Hochbetten gezeigt. Regenbogenfarbene Wolle für Socken, drei Knäuel Garn und ganz ganz viele Knöpfe in allen Farben und natürlich auch in Katzenform. Sie hat mir von Kaffe Fassett erzählt, einem Textilkünstler, der gezielt kontrastreiche Farben nebeneinanderstellt, um damit Betrachter auf lebendige Weise anzuregen. Von ihm hat Kathryn das Sehen gelernt, erzählt sie. Meine Farbtuben findet sie toll und ich hätte gerne mit ihr in der bunten Wolle im Laden gestöbert. Aber meine Reise geht weiter. Auf dem Weg liegt Conimbraga mit der Ausgrabungsstätte einer römischen Stadt aus den Zeiten des Kaisers Augustus. Ein paar Stunden habe ich dort zwischen Schulklassen die Steine und Mosaike bestaunt, beeindruckt hat mich aber der Felsen in der Schlucht. Ich glaube, er ist es, der in dem Buch im Museum abgebildet ist. Ein hoheitlicher Felsen! Um ihn haben sich bestimmt schon vor den Römern Menschen versammelt. Es ist komisch, da renne ich jeden Tag durch die tollste Landschaft, es hat zwar viel geregnet, aber wenn die Sonne in Portugal scheint, dann so richtig, klar und intensiv setzt sie sich zwischen den Wolkenbergen durch, aber die meiste Anregung erfahre ich in den Momenten, wo ich einfach nur da sitze. Das Warten halte ich in der Herberge in Alvaiazere darum gut aus. Ich gucke mir einfach die Wand an. Es ist eine Steinmauer mit groben Steinen und Mörtel. Harris hat bereits beim Hereinkommen seinen Platz gewählt und plaudert nun mit einem Ding, das so ähnlich aussieht wie ein Pinguin. Sanfte Wesen mit unglaublich fantastischen Formen überziehen die ganze Wand. Da sind Ritter, freischwebende und diskutierende Köpfe, krebsartige Wesen und und und. Was das Wundervollste ist: Sie verwandeln sich manchmal im Sekundentakt, so kommt es mir vor. Ich glaube, mit unserer Wahrnehmung auf die Welt verändert sich die Welt selbst. So ist es mit unserer sozial angepassten, mathematischen, naturwissenschaftlichen Vorstellung. Mit ihr können wir nicht wahrnehmen, was noch alles um uns herum ist, lebt und sich wandelt. Und die, die das können oder sich nur wünschen, werden für verrückt erklärt. Die Menschen, die vor Urzeiten bei den Felsen waren, konnten das besser. Wir müssen wieder Sehen lernen und schwups verwandelt sich alles um uns herum und wird magisch. Und ach ja…. Ich glaube, ich habe herausgefunden, wie Drachen geboren werden. Alles, was man dafür braucht, ist ein Mann auf der Straße, der einem eine selbstgebastelte Kerze schenkt. Das ist möglich. Zumindest auf Pilgerreisen. Vorgestern kam mir ein schlottriger Mann mit einer Plastiktüte entgegengeeilt. Er hat mir zwei Kerzen “ candle“ in die Hand gedrückt. Bevor ich ein paar Münzen herauskramen konnte, ist er schon weitergeeilt. Gestern habe ich sie ausprobiert. Schaut selbst. Da ist der Drache aus der Überschrift. Adler hatte ich noch versprochen. Nun, ich habe ja schon alles mögliche geträumt, von grünen und blauen Flüssen, goldenem Kind, einer Wolfsbegegnung und davon, dass ich selbst ein Wolf bin. In diesem Traum hatte ich ein Adlerkücken in den Armen. Irgendjemand stand neben mir und hat mir gesagt, dass das gefährlich ist, was ich da mache. Ein zweites Kücken kam dazu und dann die Eltern…. Ihr werdet es nicht glauben, sie haben mich nicht zerfleischt. Die Könige der Lüfte haben sich zu mir gesetzt und mitgekuschelt. Was für eine Ehre!

Tschau Coimbra
Die Ausgrabungsstätte
Die Schlucht und ihr Bewohner
Ist er das?
Nette Begegnungen: Grinsekatze
Die würden gerne –
– der ist über Kilometer hinweg mitgelaufen
Harris und der Pinguin. Ihr seht es doch auch?
Es beginnt mit einer gebastelten Kerze,
erweist sich als strahlend
und endet magisch mit einem Drachenkind.

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Nur ein Paar Schuhe

admin

Januar 13, 2026

Vor einem dreiviertel Jahr habe ich sie zuerst in den Händen gehalten. Ahnungslos habe ich den Karton geöffnet, das Papier zurückgeschlagen und sie anprobiert: Meine Sandalen. Sie sind mädchenhaft rosa. Vor dreißig Jahren hätte ich diese Farbe vermieden, blaue und schwarze Töne gewählt. Als junges Mädchen konnte ich mich noch nicht als die akzeptieren, die ich bin, habe mich möglichst unauffällig gekleidet und verhalten. Wenn mir damals jemand erzählt hätte, dass ich heute mit einem großen Wanderstock durch die Welt renne und es mich überhaupt nicht interessiert, was die Leute über mich denken, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Jetzt tragen mich meine Sandalen über die Erde, strahlen in ihren leuchtenden Farben eine Leichtigkeit aus, sprechen von einem Tänzeln und einer Fröhlichkeit. Meine Füße fühlen sich in ihnen wohl, bekommen frische Luft, Sonne und Regen und hin und wieder Sandkörnchen, Steine und Stöcker zu spüren. Wir waren zusammen Tanzen in Porto, haben Berggipfel erklommen, sind durch Flüsse und Pfützen getappert, über spitze Steine, Kopfsteinpflaster, durch Gestrüpp gestolpert. Der rechte Schuh ist längst hinten an der Innenseite kaputt, die Sohlen sind dünn geworden und haben mehr und mehr die Form meiner Füße angenommen. Ich hätte sie längst austauschen müssen. Ich habe es sogar versucht, aber die bestellten Schuhe waren zu klein. Und im Winter irgendwo Sandalen in Schuhgeschäft zu kaufen, das ist fast unmöglich. So bleiben sie mir treu, über hunderte von Kilometern hinweg. Die Füße sind an vielen Stellen wundgescheuert und müde, wie die Sandalen. Aber wir laufen weiter. Es sind “ nur“ Schuhe, aber diese Gegenstände haben ihren eigenen Charakter angenommen, sind vom bloßen Produkt irgendwo aus einer Fabrik zu eigenständigen Wesen geworden, von denen ich mich nur schwer trennen kann. Von Agueda aus haben sie mich schon wieder nach Coimbra getragen. Wir haben zweimal im Zelt übernachtet. Es war etwas kühl, aber man kann nicht alles haben. In den Herbergen erwartet mich zwar immer ein warmes und weiches Bett, aber die Einsamkeit ist dort eine andere. Es ist lustig zu beobachten, wie jede Person im Schlafsaal versucht, seine Häuslichkeit zu wahren. Da wird die Fernbedienung der Klimaanlage zu einem heiß begehrten Gegenstand. Der eine schaltet sie auf volle Pulle, um seine Wäsche zu trocknen, der andere macht sie aus, sobald er den Raum betritt. Eine ganze Nacht hat einer dieser Menschen die Macht an sich gerissen und die Fernbedienung versteckt. Manche meiner Zimmergenossen ignorieren standhaft jeden einzelnen Mitbewohner, andere sind genauso neugierig wie ich und tauschen Geschichten aus. Von der Herberge in Coimbra aus habe ich freien Blick auf das Gefängnis. Es ist ein stattliches Gebäude und hat mich gestern angezogen. Besichtigung unmöglich. Es thront mitten in der Stadt wie eine Ermahnung. Wie viele Menschen mögen dort schon ihr Dasein abgesessen und für ihre Sünden gebüsst haben. Ich büße auf meine Weise, weiß immer noch nicht, wohin mein Weg mich führt. Das ist aufregend, aber auch anstrengend. Alle gehen ihrem Alltag nach, wissen, wohin sie gehören, nur ich nicht. Selbst die Straßenhunde haben hier ein Ziel. Oft kommt mir ein Hund entgegen auf den einsamen Straßen und wie ich halt so bin, fange ich an, mit ihm zu quatschen. Aber die meisten laufen einfach weiter, als würde sie hinter der nächsten Straßenecke jemand erwarten, hätte sie jemand gerufen. Wäre ich nur wie sie und könnte besser auf meinen inneren Ruf hören! Wer weiß, wie lange man sich herumtreiben muss, um diese Fähigkeit zu beherrschen wie ein Straßenhund. Ich übe weiter.

Alt und abgetragen und so tapfer –
– erzählen sie ihre eigenen Geschichten.
Kaum beachtete Schönheiten
Das Gefängnis!
Der botanische Garten von Coimbra mit uralten Bäumen und magischen Plätzen.
Ficus macrophylia
Neugier auf das Universum. An der Universität von Coimbra
Die Universität
Gipfelstürmen mitten in der Stadt
Hin zu verlassenen und lustigen Gebäuden
Aussicht auf den Mondego

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Alle wollen Harris

admin

Januar 8, 2026
Sie lauern- und bekommen ihn doch nicht

So viele Kilometer habe ich noch nie in so wenigen Tagen zurückgelegt – 75 km in fünf Tagen. Von Porto nach Agueda. Für den gewöhnlichen Wanderer mag das eine geringe Leistung sein, ich aber schleppe viel zu viel Gepäck und Harris mit mir herum. Da komme ich trotz den niedrigen Temperaturen ganz schön ins Schwitzen und werde von allen, die mir entgegenkommen gefragt, ob ich in meinen Sandalen und Top nicht friere. Ich laufe und laufe seit den Tagen ohne Harris als wäre der Teufel hinter mir her und wolle mir meinen magischen Wanderstock entreißen. Es ist einfach so, dass ein Leben ohne seine besondere Schwingung langweilig wäre. Er entlockt nicht nur fast allen ein Grinsen, nur manchen ein mitleidiges Kopfschütteln, er lässt mich oft genug zwischen den Welten schweben. Ich vergesse dann gänzlich, wo ich bin und habe schwups weitere Kilometer zurückgelegt und bin eine ganze Stunde nach vorne gesprungen. Harris führt mich an die kleinen und besonderen Dinge am Wegesrand heran. Ich könnte mich manchmal kringelig lachen, wenn ich ihnen lausche und bin erfüllt in absoluter Liebe zu ihnen. Außerdem habe ich es ganz bestimmt nur Harris zu verdanken, dass der Wirt in einem kleinen Imbiss mich zu Kaffee und Schokoladenkuchen eingeladen hat.

Keine Last ist zu schwer solange er bei mir ist
Verzaubert
Bizarres am Wegesrand
Hunde
Formen zum Träumen –

– bis einem schwindelig wird
Wundervolle Gärten
Schneemänner überall
Agueda
Stadt der Regenschirme
und anderer Kunst

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